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Betriebsvermögen - ja oder nein? Wirtschaftsgüter richtig ins Unternehmen einbringen

Betriebsvermögen - ja oder nein? Wirtschaftsgüter richtig ins Unternehmen einbringen

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E-Book: Besonderheiten beim Betriebsvermögen

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Welche Gegenstände, Fahrzeuge und Räumlichkeiten zählen eigentlich zum Betriebsvermögen? Und welche steuerlichen Konsequenzen hat dies für mich? Das Betriebsvermögen ist für Unternehmen eine wichtige Größe, um den Gewinn zu ermitteln. Dabei ist darauf zu achten, was überhaupt in die betriebliche Sphäre gehört, welche Kosten dadurch entstehen – und welche Folgen eine mögliche private Nutzung hat.

Wirtschaftsgüter im Betriebsvermögen können steuerliche Vorteile bringen, zum Beispiel, wenn die laufenden Kosten oder die Abschreibung den Gewinn senken. Aber der private Nutzungsanteil kann umgekehrt den Gewinn erhöhen. Und bei bestimmten Wirtschaftsgütern haben Unternehmer zu lange nicht im Blick, dass sie zwingender Bestandteil des Betriebsvermögens sind. Wir erklären, worauf Sie achten müssen und was regelmäßig zu überprüfen ist.

Betriebsvermögen: Was ist das eigentlich?

Betriebsvermögen: Das klingt nach großen Werten, teuren Gütern, umfangreichen Lagerbeständen. Dabei ist das Betriebsvermögen schlicht ein Begriff aus dem Einkommensteuerrecht – ein Begriff, der zwar nicht im Gesetzestext selbst steht, aber sich über die Jahre aus Rechtsprechung und Verwaltungspraxis entwickelt hat. Mit dem Wort „Betriebsvermögen“ werden alle Gegenstände bezeichnet, die nach ihrer Art und Funktion in einem betrieblichen Zusammenhang mit dem Unternehmen stehen. Es gehören also sämtliche Wirtschaftsgüter, die in irgendeiner Weise dem Betrieb dienen, zum Betriebsvermögen.

Aus steuerrechtlicher Sicht ist es wichtig, zwischen Betriebs- und Privatvermögen zu unterscheiden. Denn alle Ausgaben, die im Zusammenhang mit Wirtschaftsgütern im Betriebsvermögen stehen, werden als Betriebsausgaben gewertet.

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Betriebsvermoegen Maschinen

Was Betriebsvermögen und was Privatvermögen ist, spielt sowohl bei der Gewinnermittlung per Bilanzierung als auch bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (§ 4 Abs. 3 EStG) eine Rolle. Allerdings spricht man nur bei den Gewinneinkünften von Betriebsvermögen, also bei Einkünften aus

  • selbstständiger Arbeit
  • einem Gewerbebetrieb oder
  • Land- und Forstwirtschaft.

Ein Wirtschaftsgut kann nur dann zum Betriebsvermögen gehören, wenn Sie als Unternehmer tatsächlich zivilrechtlicher Eigentümer sind.

Ein Beispiel: Eine Kosmetikerin bietet unter anderem mobile Pediküre an. Aufgrund der zahlreichen Anschaffungen für ihr neues Studio fehlt ihr aber derzeit das Geld für einen eigenen Firmenwagen. Daher leiht sie sich für die Fahrten zu Kunden und zu ihrem Studio das Auto ihrer Freundin. Der Wagen kann nicht dem Betriebsvermögen zugeordnet werden, weil der Pkw der Kosmetikerin nicht gehört.

Praxistipp:

Ob Sie in solchen Fällen die betrieblichen Fahrten mit der Reisekostenpauschale von 0,30 Euro pro gefahrenen Kilometer ansetzen dürfen, ist umstritten. Die Finanzverwaltung geht davon aus, dass Unternehmer nur Kosten abziehen dürfen, die ihnen auch tatsächlich entstanden sind. Auch der Bundesfinanzhof hat sich in einem aktuellen Urteil ähnlich geäußert (BFH Aktenzeichen X R 24/12). Steuerlich können Sie Probleme vermeiden, indem Sie eine Nutzungsvereinbarung abschließen und dem Ehepartner oder der Freundin tatsächlich Kosten erstatten.

Darf‘s ein bisschen mehr sein?

Bei manchen Wirtschaftsgütern ist es klar, dass sie ausschließlich betrieblichen Zwecken dienen – bestimmte Werkzeuge zum Beispiel, die Sie täglich im Unternehmen gebrauchen. Andere wiederum nutzen Sie ab und zu auch privat – zum Beispiel den Computer oder das Handy. Wo aber verläuft die Grenze? Die Finanzverwaltung hat drei Bereiche eingeteilt, die für die Einordnung von Betriebs- und Privatvermögen entscheidend sind:

  1. Nutzen Sie ein Wirtschaftsgut – beispielsweise Ihr Auto – zu mehr als 50 Prozent betrieblich, müssen Sie den Gegenstand ins Unternehmen einbringen. Das Wirtschaftsgut ist notwendiges Betriebsvermögen.

  2. Unterschreitet die betriebliche Nutzung 10 Prozent, hat das Wirtschaftsgut im Betriebsvermögen nichts zu suchen. Es ist notwendiges Privatvermögen. Alle Wirtschaftsgüter, die zu mehr als 90 Prozent privat genutzt werden, gehören in die (steuerliche) Privatsphäre.

  3. Bewegt sich die betriebliche Nutzung zwischen 10 und 50 Prozent, dürfen Sie sich aussuchen, ob das betreffende Wirtschaftsgut zu Ihrem Betriebsvermögen zählt oder im Privatvermögen bleibt. Der Steuerfachmann nennt dies gewillkürtes Betriebsvermögen. Was steuerlich die günstigere Variante ist, müssen Sie in jedem Einzelfall neu entscheiden.

Praxistipp:

Ob es steuerlich günstig ist, beispielsweise das private Auto in das sogenannte gewillkürte Betriebsvermögen einzubringen, ist von vielen Faktoren abhängig – etwa von der Höhe des betrieblichen Nutzungsanteils und damit von der Höhe der Ausgaben, die Sie steuerlich ansetzen können. Es spielt aber auch eine Rolle, ob Sie in nächster Zeit planen, ein neues Auto zu kaufen.

Bewegliche Wirtschaftsgüter – betrieblich oder privat?

Wie hoch ist die betriebliche Nutzung? Haben Sie ein Wahlrecht? Damit ist es...
Unter 10 Prozent Nein Privatvermögen
Zwischen 10 und 50 Prozent Ja: Sie können das Wirtschaftsgut dem Betriebsvermögen oder dem Privatvermögen zuordnen Gewillkürtes Betriebsvermögen oder Privatvermögen
Mehr als 50 Prozent Nein Notwendiges Betriebsvermögen

Achtung: Egal, ob Sie offiziell ein Wirtschaftsgut als Betriebsvermögen einstufen oder nicht – die Nutzungsart macht das Ganze zwingend zum Betriebsvermögen. Beispiele für notwendiges Betriebsvermögen sind etwa

  • Geschäftsräume, Lager, Werkstatt oder die Praxis,
  • Waren und Vorräte,
  • Büromöbel oder
  • betriebliche Fahrzeuge.

Umgekehrt gilt: Selbst wenn Sie Wirtschaftsgüter, die aufgrund ihrer Nutzung zum Privatvermögen zählen, im Anlageverzeichnis oder der Bilanz ausweisen – das Private bleibt privat. Klassiker im Privatvermögen sind etwa

  • Kleidung,
  • Haushaltsgegenstände,
  • die Privatwohnung.

Nutzungsdauer: Was überwiegt?

Damit Sie ein Wirtschaftsgut überhaupt zum gewillkürten Betriebsvermögen machen können, müssen Sie die jeweilige Nutzung feststellen. Der bekannteste Fall dafür ist das Auto, bei dem Sie sich überlegen, ob ein Wechsel sinnvoll ist.

Zu den betrieblichen Fahrten zählen alle Wege, die durch Ihre unternehmerische Tätigkeit veranlasst werden, also zum Beispiel Fahrten

  • zu Kunden und Geschäftspartnern,
  • zum Großmarkt und zur Bank,
  • zur Kammer oder zum Berufsverband,
  • zu Seminaren und Messen,
  • zur Tankstelle und Werkstatt.

Wenn Sie sämtliche betrieblich gefahrene Kilometer durch die Jahresfahrleistung teilen und dann mit 100 multiplizieren, haben Sie den Wert für den prozentualen betrieblichen Nutzungsanteil.

Ein Beispiel: Ihre jährlichen, betrieblich veranlassten Fahrten belaufen sich auf insgesamt 3.000 Kilometer. Über das Jahr hinweg sind Sie mit dem Auto 15.000 Kilometer gefahren:

3.000 Kilometer : 15.000 Kilometer = 0,2
0,2 x 100 = 20 Prozent betrieblicher Nutzungsanteil
Ergebnis: Zuordnung zum gewillkürten Betriebsvermögen möglich.

Betriebsvermoegen Tacho

Für diese formlosen Aufzeichnungen sollten Sie

  • zu Beginn und zum Ende des Zeitraums den Kilometerstand notieren;
  • alle beruflichen Fahrten aufschreiben – mit Datum, Ziel, Zweck und zurückgelegter Strecke;
  • die betrieblich gefahrenen Kilometer zur Gesamtfahrleistung ins Verhältnis setzen (bezogen auf den Aufzeichnungszeitraum).

Den Prozentsatz, den Sie auf diese Weise ermittelt haben, dürfen Sie aus Vereinfachungsgründen über die kommenden Jahre beibehalten. Achtung: Dies gilt nur dann, solange sich nichts Wesentliches an Ihrem Fahrverhalten, Ihrer Tätigkeit oder Ihrem Umfeld ändert.

Vorsteuerabzug bei Zuordnung zum Unternehmensvermögen

Ordnen Sie einen teils beruflich und teils unternehmerisch genutzten Gegenstand nicht dem ertragsteuerlichen Betriebsvermögen zu, können Sie den Gegenstand dennoch dem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuordnen. Folge: Ihnen winkt in diesem Fall die Erstattung der Vorsteuer aus dem Kauf und aus den laufenden Kosten für diesen Gegenstand.

Um einen teils privat und teils unternehmerisch genutzten Gegenstand dem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuordnen zu können, muss der Gegenstand zu mindestens 10% unternehmerisch genutzt werden. Dieser Mindestnutzungsumfang muss vom Unternehmer plausibel nachgewiesen werden (Abschnitt 15.2c Abs. 1 Umsatzsteuer-Anwendungserlass).

Beispiel 1: Sie haben sich 2015 aus privaten Mitteln einen Pkw gekauft, den Sie 2015 zu 30 Prozent für unternehmerische Zwecke und zu 70 Prozent privat genutzt haben. Sie haben mit dem Pkw im Jahr 2015 insgesamt 3.000 Kilometer für Ihren Betrieb zurückgelegt. Der Kaufpreis für den Pkw betrug 30.000 Euro zuzüglich 5.700 Euro Umsatzsteuer. Folge: Ordnen Sie diesen Pkw nicht dem ertragssteuerlichen Betriebsvermögen zu, jedoch Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen, bringt Ihnen das einen Vorsteuerabzug.

  Umsatzsteuer bei Zuordnung
zum Unternehmensvermögen
Gewinnermittlung 2015
Vorsteuer aus Kaufpreis 5.700 Euro Erstattung  
Vorsteuer aus laufenden Kosten Ja, Erstattung  
Umsatzsteuer auf Privatnutzung Ja  
Betriebsausgabenabzug   900 Euro (3.000 Euro x 0,30 Euro/km)

Wichtig: Die Zuordnung ist bis 31. Mai notwendig

Um die Erstattung der Vorsteuer für einen im Jahr 2015 gekauften, teils privat und teils unternehmerisch genutzten Gegenstand sicherzustellen, muss die Zuordnung zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen spätestens bis zum 31. Mai 2016 erfolgen.

Praxis-Tipp:

Diese strenge zeitliche Vorgabe gilt selbst dann, wenn eine Fristverlängerung besteht. In diesem Fall sollten Sie bis zum 31. Mai zumindest die Umsatzsteuerjahreserklärung beim Finanzamt einreichen (Abschnitt 15.2c Abs. 16 Satz 5 Umsatzsteuer-Anwendungserlass).

 

Beispiel 2: Sie haben für den Pkw aus Beispiel 1 bislang noch keinen Vorsteuerabzug in Ihren Umsatzsteuer-Voranmeldungen 2015 geltend gemacht. Nachdem Sie bei uns erfahren haben, dass bei Zuordnung des Pkw zum Unternehmensvermögen die Erstattung der Vorsteuer winkt, entschließen Sie sich für dieses Vorgehen. Da die Steuererklärungen 2015 Ihr Steuerberater übernimmt, haben Sie eine automatische Fristverlängerung zur Abgabe Ihrer Steuererklärungen 2015 bis zum 31.12.2016. Nun haben Sie folgende Möglichkeiten:

  1. Sie reichen spätestens bis zum 31.05.2016 zumindest die Umsatzsteuerjahreserklärung 2015 ein, weisen auf die Zuordnung hin und beantragen den Vorsteuerabzug für den Pkw.
  2. Sie teilen dem Finanzamt die Zuordnung erst Ende Dezember 2016 mit – bei Abgabe der Umsatzsteuerjahreserklärung 2015.
  3. Sie schicken spätestens bis zum 31. Mai 2016 ein formloses Schreiben an das Finanzamt und teilen darin mit, dass Sie den Pkw ab dem Kauf im Jahr 2015 Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuordnen.
  Zuordnung zum Unternehmensvermögen
möglich
Erstattung der Vorsteuer aus Kaufpreis
und aus laufenden Pkw-Kosten
Variante 1 ja ja
Variante 2 nein nein
Variante 3 ja ja

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