zurück
 
 
  •  zurück
  • Seitenanfang
  •  
     
Betrieblich oder privat? Gemischte Aufwendungen richtig ansetzen

Betrieblich oder privat? Gemischte Aufwendungen richtig ansetzen

  • Was sind betriebliche Aufwendungen? 
  • Mit wertvollen Praxistipps 
  • Kostenlos und auf dem neuesten Stand  

E-Book: Gemischte Aufwendungen

E-Book: Gemischte Aufwendungen
 
kostenlos
10 Seiten | A4 Druckformat | 1,2 MB
E-Book als PDF downloaden

Betrieblich oder privat: Nicht immer lässt sich das so einfach trennen. Denn viele Wirtschaftsgüter, die Sie im Betrieb benötigen, nutzen Sie vielleicht auch privat. Zum Beispiel den Firmenwagen oder das Handy. Und wenn Sie geschäftlich unterwegs sind, hängen Sie vielleicht noch einen Besuch bei Freunden hintendran. Fachtagung, Fortbildung, Arbeitszimmer, Auto, Telekommunikationsgeräte, Bewirtungskosten: Die Liste der Ausgaben, die sich im Grenzbereich zur privaten Lebensführung bewegen, ist lang. Was aber sagt das Finanzamt in Bezug auf gemischte Aufwendungen? Was als Betriebsausgabe akzeptiert wird – und was nicht – und wie Sie gemischte Aufwendungen aufteilen und steuerlich absetzen können, erklären wir Ihnen in diesem E-Book.

Tipp: Auch für Ihre persönlichen Finanzen lohnt es sich, eine professionelle Software einzusetzen. Probieren Sie doch einfach Lexware FinanzManager aus. Und für alle, die Ihr privates Vermögen noch komfortabler verwalten wollen, gibt es Lexware FinanzManager Deluxe. Jetzt informieren & 30 Tage lang unverbindlich testen!

Private Lebensführung absetzen – geht nicht, geht doch?

Bei Kosten, die in irgendeiner Form mit der privaten Lebensführung zu tun haben, geht die Finanzverwaltung grundsätzlich in Abwehrhaltung: Ausgaben fürs Private – ob Haushalt, Freizeit oder Urlaub – sind und bleiben demnach privat und können nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden. Ähnliches gilt für die Ausgaben, die – wie es im Amtsdeutsch der Finanzverwaltung heißt – zu den „unverzichtbaren Aufwendungen für die Lebensführung“ gehören.

Dazu zählen zum Beispiel Kosten für Gemischte Aufwendungen

  • die Wohnung,
  • Hausrat und Möbel,
  • Ernährung,
  • allgemeine Schulbildung,
  • Kindererziehung,
  • Zeitung,
  • Rundfunk,
  • den persönlichen Bedarf des täglichen Lebens,
  • den Besuch kultureller oder sportlicher Veranstaltungen oder auch
  • Brillen.

Diese Aufwendungen sind in aller Regel bereits durch das steuerliche Existenzminimum abgegolten. Bei Selbstständigen gehören die entsprechenden Wirtschaftsgüter automatisch in das notwendige Privatvermögen. Das gilt selbst dann, wenn sie aus Versehen im Anlageverzeichnis oder in der Bilanz ausgewiesen werden.

Praxis-Tipp:

Wenn Sie eine Brille oder Kontaktlinsen kaufen, können die Ausgaben dafür zwar nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten, aber möglicherweise – nach Abzug eines Eigenanteils – als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Handelt es sich bei der Sehschwäche um eine Berufskrankheit oder sind die Sehbeschwerden auf die Tätigkeit am Bildschirm zurückzuführen, sind die Aufwendungen nach Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) sogar als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben abzugsfähig (Aktenzeichen VI R 50/03).

 

Gerade bei Kleidung ist so mancher Steuerpflichtige versucht, den schicken Anzug oder das Business-Kostüm als Arbeitskleidung geltend zu machen. Aber auch Aufwendungen für Kleidung sind grundsätzlich Kosten der Lebensführung. Diese können Sie selbst dann nicht abziehen, wenn Sie damit Ihren Beruf fördern. Das hat vor kurzem das Finanzgericht Münster bestätigt (Aktenzeichen 9 K 3675/14 E). Konsequenz: Selbst, wenn kein Zweifel besteht, dass die konkreten Kleidungsstücke so gut wie ausschließlich im Beruf getragen werden, ist „bürgerliche Kleidung“ nicht steuerlich abzugsfähig.

Anders verhält es sich mit typischer Berufskleidung. Ausgaben für solche Kleidung sind durchaus als Werbungskosten abzugsfähig. Berufskleidung ist immer dann gegeben, wenn sie objektiv nahezu ausschließlich nur beruflich verwendet werden kann – und wegen der Eigenart des Berufs notwendig ist. Zur typischen Berufskleidung zählen beispielsweise

  • Amtstrachten,
  • der schwarze Anzug des Leichenbestatters oder des katholischen Geistlichen,
  • weiße Arztkittel,
  • der Cut eines Empfangschefs,
  • uniformähnliche Dienstkleidung von Fluggesellschaften oder
  • Schutzhelme und Sicherheitsschuhe.

Lange Zeit gültig: Die 90/10 Prozent-Regel

Soll eine Ausgabe steuerlich vor dem Finanzamt bestehen, ist es gerade bei Selbstständigen wichtig, dass die berufliche bzw. betriebliche Nutzung überwiegt. In der Vergangenheit wurde dazu häufig die Aufteilung nach der sogenannten 90:10-Regelung herangezogen. Diese besagte, dass die berufliche oder betriebliche Nutzung mindestens 90 Prozent der Gesamtnutzung betragen muss und die private Nutzung darf nicht mehr als 10 Prozent der Gesamtnutzung ausmachen.

Heutzutage wird jedoch bei Wirtschaftsgütern wie dem Auto, Computer oder Smartphone in der Praxis zwischen drei möglichen Bereichen unterschieden:

  1. Das notwendige Betriebsvermögen:
    Sie nutzen das betreffende Wirtschaftsgut – beispielsweise Ihr Auto – zu mehr als 50 Prozent betrieblich. Damit gehört es in jedem Fall ins Unternehmen.
  2. Das notwendige Privatvermögen:
    Alle Wirtschaftsgüter, die zu mehr als 90 Prozent privat genutzt werden, gehören in die (steuerliche) Privatsphäre. Unterschreitet die betriebliche Nutzung also die Quote von 10 Prozent, hat das Wirtschaftsgut im Betriebsvermögen nichts zu suchen.
  3. Das gewillkürte Betriebsvermögen:
    Bewegt sich die betriebliche Nutzung zwischen 10 und 50 Prozent, dürfen Sie sich aussuchen, ob das betreffende Wirtschaftsgut zu Ihrem Betriebsvermögen zählt oder im Privatvermögen bleibt.

Ist das Berufliche mit dem Privaten so stark verwoben, dass keine genauen Grenzen definiert werden können, hat es sich mit dem Steuerabzug erledigt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der private Geburtstag mit Verwandten, Freunden und ebenfalls eingeladenen Geschäftspartnern gefeiert wird.

Gemischte Aufwendungen Auch die Ausgaben für ein Zeitungsabonnement sind demnach nicht abzugsfähig, selbst wenn sich der betroffene Arbeitnehmer hier auch über beruflich wichtige Angelegenheiten informiert. Nach der Rechtsprechung des BFH gehören Aufwendungen für den Bezug regionaler wie überregionaler Tageszeitungen zu den Lebenshaltungskosten. Auch das Finanzgericht Hessen entschied vor einiger Zeit, dass eine „unschädliche private Mitbenutzung“ zumindest beim Bezug nur einer Tageszeitung grundsätzlich ausscheidet (Aktenzeichen 13 K 3379/07). Das Finanzamt geht in solchen Fällen davon aus, dass Privates und Berufliches so stark vermischt sind, so dass der Anlass nicht eindeutig getrennt werden kann. Die Folge: keine Abzugsmöglichkeit.

Praxis-Tipp:

Eine Tageszeitung lässt sich unter Umständen doch noch von der Steuer absetzen. Wenn Sie selbstständig sind, können Sie die Zeitung abonnieren, sich ins Büro schicken lassen und sie dort so auslegen, dass Mitarbeiter, Kunden und Besucher sie lesen können. Als Unternehmer machen Sie die Kosten für das Abonnement der Zeitung dann als Betriebsausgaben geltend.

Einmal halb und halb, bitte!

Grundsätzlich wird das Finanzamt Ihre Kosten immer nur dann anerkennen, wenn es eine echte berufliche Veranlassung gibt. Hier sind Ihre Überzeugungskraft und stichhaltige Argumente gefragt. Bei einer teils geschäftlich veranlassten Reise – etwa zu einem Kongress oder einem Workshop – kann beispielsweise das Programm als Nachweis dienen. Auch E-Mail-Korrespondenz oder anderer Schriftverkehr kann den beruflichen Anteil dokumentieren.

Die Möglichkeit der Aufteilung in berufliche und private Kosten hat der BFH in einer Grundsatzentscheidung bestätigt (Aktenzeichen GrS 1/06): Wenn die beruflich veranlassten Teilkosten feststehen und nicht von untergeordneter Bedeutung sind, dürfen sie auch steuerlich geltend gemacht werden. Die 90:10-Regelung bzw. das frühere strikte Aufteilungs- und Abzugsverbot aus dem Einkommensteuergesetz (EStG) ist damit vom Tisch. Der Klassiker sind Geschäftsreisen, die mit einem Privatbesuch verbunden werden. Aber auch andere Fälle sind hier denkbar. Voraussetzung ist dabei immer: Bei gemischten Aufwendungen müssen die Kosten nach Zeitanteil oder einem anderen Maßstab aufgeteilt werden können.

Praxis-Tipp:

Zusätzlich zu dieser Rechtsprechung hat das Bundesministerium der Finanzen (BMF) Grundsätze dafür aufgestellt, wann steuerliche Abzüge möglich sind. Das Aktenzeichen des BMF-Schreibens lautet IV C 3 – S 2227/07/10003:002.

Aktuelles BFH-Urteil: Jubiläumsfeier auf Kosten des Finanzamts

Haben Sie in naher Zukunft ein Dienstjubiläum und möchten das in der Arbeit gebührend feiern, sitzt als imaginärer Gast auch das Finanzamt mit am Tisch. Nur wenn Sie sich an ein paar Steuerspielregeln halten, können Sie die Ausgaben für die Jubiläumsfeier steuerlich als Werbungskosten geltend machen. Hier erfahren Sie, wie Ihre Überzeugungsarbeit aussehen muss.

In einem aktuellen Urteil hat ein klagender Finanzbeamter vom Bundesfinanzhof grünes Licht für den Abzug von Werbungskosten für seine Jubiläumsfeier bekommen. Der Finanzbeamte wusste natürlich, worauf es ankommt und dementsprechend plante er seine Feierlichkeiten und sammelte Nachweise.

Praxis-Tipp:

Präsentieren Sie dem Finanzamt Werbungskosten für eine berufliche Jubiläumsfeier, sind Sie in der Beweislast. Sie und nur Sie müssen dem Finanzamt plausibel nachweisen, dass die Jubiläumsfeier ausschließlich beruflich veranlasst war. Schaffen Sie diesen Nachweis nicht, stuft das Finanzamt Ihre Feier als Privatvergnügen ein und kippt den steuerlichen Werbungskostenabzug.

Diese Voraussetzungen ermöglichen den Werbungskostenabzug

Zurück zu unserem cleveren Finanzbeamten, der ein 40-jähriges Dienstjubiläum feierte und für die Ausgaben dieser Feier souverän einen Werbungskostenabzug beim Bundesfinanzhof durchboxte. Folgende Kriterien überzeugten die Richter (BFH-Urteil vom 20.01.2016, Aktenzeichen VI R 24/15; veröffentlicht am 27.07.2016):

  • Zu der Feier waren nur aktive Kollegen eingeladen, mit denen der Finanzbeamte beruflich zu tun hatte. Verwandte, Bekannte und Freunde oder Personen des öffentlichen Lebens waren nicht auf der Gästeliste. Apropos Gästeliste: Diese sollte unbedingt aufbewahrt und dem Finanzamt im Zweifel vorgelegt werden.
  • Die Feier fand an einem Wochentag während der Arbeitszeit statt.
  • Der Arbeitgeber stellte dafür Räumlichkeiten in seiner Einrichtung zur Verfügung.
  • Es konnte eine schriftliche Genehmigung des Arbeitgebers für die Feier als Nachweis vorgelegt werden.
  • Die Ausgaben im Zusammenhang mit der Jubiläumsfeier waren überschaubar hoch. Für 50 Gäste wurden im vorliegenden Fall nur 800 Euro ausgegeben.

Fazit: Wenn Sie eine Jubiläumsfeier planen, sollten auch Sie sich an diese fünf Kriterien halten.

Praxis-Tipp:

Haben Sie bereits eine Jubiläumsfeier in Ihrem Unternehmen durchgeführt und diese fünf Kriterien aus Unwissenheit nicht beachtet, sollten Sie versuchen, mit dem Finanzamt einen Deal zu machen. Schätzen Sie die berufliche und private Veranlassung der Feierlichkeiten und beantragen Sie wenigstens einen anteiligen Werbungskostenabzug.

Scheinselbststaendigkeit

Ratgeber zu gemischten Aufwendungen

Viele weitere Praxis-Infos erhalten Sie in unserem E-Book zum Thema „Gemischte Aufwendungen richtig ansetzen“. Jetzt kostenlos downloaden!

10 Seiten | A4 Druckformat | 1,2 MB


 

Aktuelle Beiträge zum Thema

zu Wissen & Tipps von Lexware >

Sie möchten das kostenlose eBook "Vorsicht Scheinselbstständigkeit: Mitarbeiter richtig beschäftigen" als Freeware auf Ihrer Seite verlinken? Sehr gerne! Kopieren Sie dafür einfach den entsprechenden Quellcode und fügen Sie diesen an der gewünschten Stelle auf Ihrer Seite ein.

Icons made by Freepik from www.flaticon.com